Single Mann Drei?ig

Wollen wir es mal nüchtern betrachten: Da ich, wie bereits erwähnt, nicht zu den von Bett zu Bett hüpfenden, ihr-Leben-lebenden-als-gäbe-es-kein-Morgen-mehr-Frauen gehöre wünsche ich mir sehnlichst einen Partner an meiner Seite. Allerdings muss man an dieser Stelle auch betonen, dass ich genauso wenig zu den Frauen gehöre, die nicht allein sein können. Ich meine, ein bisschen Anspruch muss ja wohl drin sein. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass man sich mit der Zeit mal mehr und mal weniger bewusst versteift.

Ich bin jetzt schon eine Weile Single und ich stelle fest, dass ich immer wählerischer werde. Also nicht dass ich einen falschen Eindruck hinterlasse, ich bin auch keine die im Hochzeitskleid zum ersten Date geht, um gleich mal die Fronten zu klären. Aber um ehrlich zu sein: Seit einigen Jahren trage ich das Bild des Platinrings mit Glitzerstein in meinem Geldbeutel mit mir rum, das ich mal aus der Vogue ausgeschnitten habe. Im Hochzeitskleid zum ersten Date…grandiose Idee!

Super Super Man Somit finde ich es nur allzu logisch, die Männer, mit denen ich mich treffe, auf ihre Zukunftstauglichkeit hin zu prüfen. Und auch wenn man sich vornimmt, es nicht zu tun, geschieht es doch unterbewusst. Das mag berechnend klingen, aber für mich macht die Rechnung Sinn. Ich bin seit längerem Single und jetzt Bevor ich mich jetzt auf jemanden einlasse, überlege ich mir das ganz genau.

Denn ist es einer, bei dem ich von vornherein das Gefühl habe, dass er auf keinen Fall der Mann fürs Leben sein kann und verbringe dennoch ein paar Jahre mit ihm, um mich dann wieder zu trennen, dann bin ich 34 und trauere erst einmal ein bis zwei Jahre ich kenne meine Trauerzeiten gut. Aber es ist eben schon mein Wunsch, dass ich einen Partner habe. Ich fühle mich hier manchmal sehr einsam und mache mir Gedanken. Wenn jetzt alle verheiratet sind und Kinder haben, wer bleibt dann noch für mich übrig?

Meine Unabhängigkeit ist ganz sicher hinderlich bei der Suche. Ich will den Typen nicht bewundern. Aber ich glaube, damit kommen viele Männer nicht klar. Ich will auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Wenn ich Männer treffe, haben die alle schon eine Frau, die zu Hause die Kinder hütet, während der Mann durch die Welt tingelt, sich selbst verwirklicht, seinem Beruf nachgeht und abends dann auch noch manchmal nette Kolleginnen ausführt.

Meine Mutter sagt, diesen Mann, der mich auf Augenhöhe trifft und der mein Leben teilt, gibt es nicht. Also ein bisschen muss ich ihr recht geben: Zumindest in Schmalkalden gibt es den nicht. Meine letzte Partnerschaft ist kaputtgegangen, weil er ganz klar gesagt hat: Lass doch du deine Dissertation! Die Dissertation war für ihn nur so eine Zwischenarbeit zwischen Studium und Mutterschaft.

Und da habe ich natürlich gesagt: Ich habe doch auch Wünsche und Träume und bin nicht weniger wichtig als mein Mann, der Professor ist oder eben Ingenieur. So wie ich mich für seine Projekte interessiere, muss er sich auch für meine Projekte interessieren. Mehr Studenten-Storys Frau, verheiratet, nicht schwanger: Ich will bis zum Semesterende kündigen und dann raus aus Schmalkalden.

Ich habe mich schon beworben, an verschiedenen Stellen. Ich möchte in eine Stadt, in der es Sushi und Kino gibt. Nur ist es extrem schwer für mich, diesen Plan auch zu verfolgen. Denn meine innere Stimme sagt mir immerzu, dass ich hierbleiben muss, bis ich einen neuen Job habe, sonst sieht das blöd aus im Lebenslauf. Es ist ein sehr schwerer Schritt für mich zu sagen: Ich schaffe das hier nicht.

Dann wäre ich das erste Mal gescheitert. Denn meine Erwartung an mich war, dass ich nach dem Doktor eine gute Stelle habe. Aber jetzt merke ich, dass ich nicht hierbleiben will und vielleicht gehen muss, auch ohne einen neuen Job. Und das ist für mich ein schreckliches Scheitern. Denn bisher habe ich immer alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte. In den letzten Jahren hatte ich viele Krisen, durch den Studienabschluss, die Unklarheiten im Job und die Doktorarbeit.

Da habe ich auch gemerkt, dass mir das Reisen sehr wichtig ist. Nur durch die Auslandsreisen erobere ich mir meine Lebhaftigkeit zurück. Sobald ich im Ausland bin, geht bei mir irgendwas auf. Ich habe das Gefühl, frei zu sein. Dort treffe ich immer Leute, die mich so nehmen wie ich bin, die sagen 'Mensch, du bist nett! Die finden mich einfach nur nett, weil ich bin, wie ich bin und nicht weil ich die Leiterin eines International Office bin und eine Doktorarbeit geschrieben habe.


Single, Mann, dreißig – Typologie einer Spezies